Verlagsupdate #4/22 – Ein paar Gedanken

In dieser Woche hatte ich einige wichtige interne Deadlines, die leider sehr viel von meiner Arbeitszeit gefressen haben und die Arbeiten an den übrigen Baustellen verlangsamt haben. Auf der positiven Seite kann ich sagen, dass ich die Deadlines halten konnte.

Da ich also zu den einzelnen Projekten nicht so viel Neues erzählen kann, dachte ich, wir reden einmal ganz allgemein über die aktuelle Situation und unsere Ziele. Keine Angst, wir werden uns jetzt nicht groß in Details verlieren, sondern springen in einen imaginären Helikopter und schauen uns alles kurz von oben an. Es geht nur um einen Überblick und eine grobe Idee. Bereit? Dann los!

Von oben betrachtet besteht Prometheus Games (oder jetzt die Prometheus Spiele GmbH) aus zwei Teilen, dem herstellenden Verlag (oder Verlagen, mit 13Mann) und den vertreibenden Onlineshops. Beide Unternehmensteile haben zu verschiedenen Zeitpunkten extreme Wachstumsschübe verzeichnet und sind dabei auf interne und externe Widerstände gestoßen. Beim Verlag war das ungefähr zum Zeitpunkt des Dresden-Files-Crowdfundings und bei den Shops etwa Mitte/Ende 2020. Die Kundenzahlen haben sich verzehnfacht, die Umsatzzahlen sind teilweise noch höher geschossen und ich habe uns schon ganz, ganz oben gesehen. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt ja schon über zehn Jahre Arbeit in der Szene hinter uns und ich muss gestehen, dass ich voller Überzeugung dachte: „Jetzt haben wir es geschafft und verdient haben wir uns das auch.“ Tatsächlich war zu diesem Zeitpunkt nichts davon der Fall, nur erkannt hatte ich das noch nicht.

Nach der ersten Begeisterung habe ich dann nach und nach gemerkt, dass ein paar grundlegende Dinge nicht stimmen. Wir (das schließt mich explizit ein) waren gar nicht in der Lage dieses Wachstum zu kontrollieren. Natürlich haben wir gepackt, gemacht, ausgeliefert, uns die Nächte um die Ohren geschlagen usw. aber hektische Betriebsamkeit wird ja oft von geistiger Leere begleitet und das muss ich mir in dieser Situation leider auf die Fahne schreiben. Es heißt nicht umsonst „Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken“ und der Kopf war oder bin ja in dem Fall ich. Wie sollte das Team so ein Wachstum kontrollieren, wenn ich davon schon überfordert war? Und neue Leute in Chaos (selbst wenn man es nicht als solches erkennt) hinein einzustellen, endet auch fast immer schlecht.

Aber zurück zur Übersicht. Wir haben also die beiden Unternehmensteile, die Widerstände und dann standen wir erstmal vor dieser Wand und haben versucht da irgendwie hochzuklettern, Löcher reinzubohren oder drumherum zu gehen. Das war dann natürlich alles erstmal so mittelerfolgreich. Irgendwann lässt dann auch die Kraft nach und die Energie die man an dieser Wand verschwendet, fehlt dann an anderen Orten. Und so wie gute Entscheidungen sich gegenseitig bedingen, scheinen das auch schlechte zu machen. Die Scheisse kommt dann schlussendlich von überall geflogen und irgendwann geht man dann auch zu Boden. Spätestens wenn der Körper streikt, und irgendwann streikt er, ist es erstmal vorbei. Fühlt sich ungerecht und finster an, ist aber eigentlich hilfreich, weil man gezwungen wird Abstand zu nehmen.

Dann liegt man also vor dieser Wand, irgendwo zwischen (Selbst)Hass und Apathie und hat im Grunde nur drei Möglichkeiten. 1. Man bleibt liegen beziehungsweise geht einfach weg, ist im Grunde dasselbe. Das Spiel ist dann so oder so vorbei und man lebt halt damit. Manchmal ist das vielleicht sogar die beste Entscheidung. 2. Man sammelt seine Kräfte und versucht es einfach (mit derselben Methode) nochmal. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das nicht wirklich erfolgversprechend ist. 3. Man sucht sich Hilfe und versucht die Wand irgendwie anders zu überwinden. Sich Kletterwerkzeug zu kaufen, ein Seil, keine Ahnung. Ich denke, es ist klar, was ich meine. Egal was jetzt die persönliche, individuelle Wand ist, es ist garantiert nichts Neues. Du kannst dir sicher sein, das schon mal andere Personen vor dir an genau derselben Stelle gestanden haben. In unserem Fall waren andere Verleger und Unternehmer schon vor uns an dieser Wand und es gibt eine Menge Leute, die einem helfen können, so eine Wand zu überwinden, beispielsweise erfahrenere Unternehmer, Steuerberater, Unternehmensberater, Coaches usw. Im Grunde hatten wir bereits ein entsprechendes Netzwerk, aber irgendwie fehlten die Verknüpfungspunkte. Wenn man aber die eigentlichen Probleme gar nicht erkennt, ist es auch schwierig, aber das führt jetzt zu weit.

Also, Helikopter, zwei Unternehmensteile, extremes Wachstum, Wand, neue Herangehensweise. Was sind nun die Ziele? Aktuell haben wir vier übergeordnete Ziele:

  1. Anpassung der beiden Unternehmensteile an die aktuellen Umstände (Einrichtung von Systemen, Prozessen etc.)
  2. Abarbeitung der noch offenen Crowdfundings (durch Refund oder Auslieferung)
  3. Aufarbeitung des Shop-Chaos von Ende 2020 bis Mitte 2021
  4. Sicherung des erreichten Plateaus
  5. Vorbereitung der nächsten Phasen

Alles andere folgt dann daraus, aber das würde hier zu sehr ins Detail führen. Ist eh wieder eine Textwand geworden. Passt ja aber irgendwie. Trotzdem mache ich hier für heute Schluss.

Ich wünsche euch einen erholsamen Sonntag.

Christian